Was war in der Zeit von 1910 bis 1926?
Die Vereinschronik enthält in der Zeit von 1910 bis 1926 keine Angaben. Erst 1926 kommt es zur Gründung des Orchestervereins Frohsinn und ein Jahr später schließt sich die Liedertafel an. Wir wissen jedoch, dass vor dem Ersten Weltkrieg, also in den Jahren 1910 bis 1913, der Männerchor von Kaplan Josef Widholzer (1881-1949) geleitet wird. Nach dem Ersten Weltkrieg ist es vor allem Kaplan Franz Xaver Geisenhofer (1887-1948), ein hochbegabter Kirchenmusiker, der den Kirchenchor, den Männerchor sowie Bläser und Streicher gemeinsam leitet und weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt macht
Josef Widholzer wird am 15. Dezember 1881 in Frasdorf bei Rosenheim geboren. Seine Eltern stammen aus Südtirol. Nachdem er im Juni 1908 zum Priester geweiht wurde, ist er bis zum 1. August 1913 als Kaplan in Altomünster tätig. Durch seine musikalischen Fähigkeiten und seinen nie versiegenden Humor erobert er sich die Herzen aller Einwohner, vor allem der Jugend. Ab 1909 übernimmt er die musikalische Leitung des Männerchores. Die Aufführung des historischen Dramas "Treu dem Glauben, treu dem Volke", aufgeführt am Weißen Sonntag 1913, kennzeichnet den Höhepunkt seines kulturellen Wirkens. Nicht zu vergessen sind seine unverwüstlichen "Gstanzln", die er zur Gitarre zu singen weiß und die selbst den ärgsten Griesgram zum Lachen bringen. Nach seinem Weggang am 1. August 1913 verbringt Josef Widholzer fast alljährlich einen Teil seines Urlaubs in Altomünster. Am 23. April 1949 stirbt Josef Widholzer.
Franz Xaver Geisenhofer wird am 6. Oktober 1887 in Herschenhofen bei Hohenkammer geboren. Seine Studienjahre verbringt er in Scheyern und Freising. Am 29. Juni 1911 wird Geisenhofer zum Priester geweiht. Im Juni 1915 wird er wegen schwächlicher Gesundheit als Benefiziat nach Altomünster versetzt. Hier übernimmt er zugleich die Chorregentenstelle. Mit Kaplan Geisenhofer kam ein hochbegabter Kirchenmusiker nach Altomünster. Er komponierte während seiner Tätigkeit in Altomünster zahlreiche Orgelkonzerte, Oratorien und Lieder. Die Gottesdienste an den Hohen Feiertagen wurden zu kirchenmusikalischen Festen. Als Chorregent setzt er kirchenmusikalische Maßstäbe wie keiner seiner Vorgänger. Unter seiner Regie kommt es in Altomünster zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Kirchenchor, Männerchor, Bläsern und Streichern. 1922/23 wurde unter seiner Regie das Karfreitagsoratorium "Die sieben Worte des Erlösers am Kreuze" von Josef Haydn aufgeführt. 1924 wurde in Tödtenried ein Sängertreffen ausgerichtet. Es trafen sich insgesamt 161 Sänger aus den Orten Aichach, Aindling, Kühbach, Klingen, Gallenbach, Rieden, Sittenbach, Pipinsried, Tödtenried und Altomünster. Aus einem Zeitungsbericht vom 13. Juli 1924 ist zu entnehmen, dass der Altomünsterer Kirchenchor unter Leitung von Kaplan Geisenhofer Aufsehen erregte: Altomünster schoss nach höherem Ziel. Der "Weckruf", ... steil aufleuchtend in die schwarze Nacht, verglomm und verklang rhythmisch und dynamisch tadellos. Der Dirigent im Priesterkleid, ein Mann von hohem musikalischen Empfinden, lässt seine Altomünsterer - auch nicht mit seinem kränklichen Gesichtsausdruck - im Stiche. Die Chöre aus Pipinsried, Klingen, Aindling und Altomünster wurden zu den Besten des Sängertreffens gekürt. 1925 fand ein Sängerfest in Blumenthal statt. Im gleichen Jahr wird Kaplan Geisenhofer nach München versetzt. Er stirbt 1948 als Domkapellmeister in Freising.
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