Was waren die Harmoniestörungen 1898?
Offenbar gab es zwei unversöhnliche Lager im Musikverein: Die einen wollten mehr ernste Musik, die anderen wollten mehr Gaudi. In der Chronik lesen wir hierzu:
Vom heurigen Carneval war anno 1898 dahier so viel wie nichts zu sehen und zu hören und auch im Verein Frohsinn schien es, als ob der überall gern gesehene und stets mit Freude erwartete, Humor spendende, Kummer und Sorgen verscheuchende und von Ausgelassenheit sprudelnde Schalk dort seinen Einzug zu halten sich scheute. Es fand keine Fastnachtsunterhaltung statt. Einige Zeit (ein bis 2 Wochen) vorher hatte der z.Zt. die provisorische Direktion innehabende Dirigent, Herr Lehrer Heldwein, diese schriftlich wieder abgegeben; wie es scheint, weil die Harmonie etwas aus dem Leim gegangen war. Kurze Zeit vor der Fastnacht wurde eine Versammlung abgehalten und hiebei die Aufstellung des Dirigenten besprochen. Die Direktion wurde per Acclamation Herrn Chorregent Max Steber übertragen, welcher im Jahre 1895 zum ersten Male als aktives Mitglied mitgewirkt hatte. Der Gewählte erklärte, die Wahl anzunehmen. Es wurde ein Konzert größeren Stils projektiert, konnte aber verschiedener Umstände halber vorläufig nicht zur Aufführung gebracht werden. Unerwartet eröffnete sich eine neue Perspektive. Der königliche Hofmusiker, Herr Alto Vogger in München, ein geborener Altomünsterer, hatte im Sommer das Versprechen gegeben, beim nächsten Konzert als Solo-Violinist und Tenorist mitzuwirken. Wegen Unabkömmlichkeit des oben genannten Herrn mußte der Termin ein paar mal verschoben werden. Am Montag, den 3. Oktober 1898 konnte das Konzert endlich stattfinden, welches abends 1/2 8 Uhr eröffnet wurde. Nach der Meinung des Herrn Alto Vogger wurde dies Mal eine kleine Abweichung bezügl. des Programmes gemacht in der Weise, dass die komischen Sachen (Couplets, humoristische Vorträge etc.) an den Schluss des eigentlichen Konzertes gestellt wurden. Dies dürfte sich aber im allgemeinen und für weitere Fälle deshalb nicht gut empfehlen, weil hier ein Teil der Konzertbesucher an besserer und gediegener Musik weniger Geschmack und Gefallen findet als an sog. Radauzeug und Frühschoppen-Gaudi und viele nicht so lange warten wollen, wie es scheint, bis dann nach dem eigentlichen Konzert mit den Couplets etc. etc. begonnen wird. Übrigens dürfte sich die Bezeichnung "Gesang- und Musikverein" mit den eigentlichen und tatsächlichen Verhältnissen wenig decken, da von einem Teil der Zuhörer nicht eigentliche, wirkliche Musik, gediegene Lieder und Gesänge erwartet und gewünscht werden, sondern Vorträge, die in das Gebiet der "Gaudi" gehören und meistens musikalische und gesangliche Schule und Bildung nicht erfordern und daher von fast Jedem gelernt und vorgetragen werden können, wenn er auch sonst keine Befähigung für ein Mitglied eines Musik- und Gesangvereins besitzt. Ferner ist hiebei noch maßgebend, daß (hier reißt die Feder des Chronisten ab)
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